Göttinger Erhebung
Künstler: Andreas Welzenbach (*1965), Hüttlingen · 2012
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Fotos
Die Bronzearbeit von Andreas Welzenbach ist zweiteilig: Ein Fußschemel à la Chippendale als Kapitell auf einer scheinbar ausfahrbaren „Aluminium“säule. Darauf nichts bzw. niemand. Die blockhaft kantige Figur nur zwei Schritt daneben steht auf ebensolchem Fußschemel. Allerdings ist die Hubstange in diesem Fall fast völlig in den Boden zurückgefahren.Andreas Welzenbach absolvierte sein Studium der Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Professor Stephan Balkenhol. Für seine Plastik tauscht der Künstler das bis dato von ihm bevorzugte Holz gegen den Bronzeguss.Die vom Model abgenommene Form hält allerdings an den charakteristischen Merkmalen grober Materialbearbeitung fest. Auch die Übermalung lässt an farblich gefasste Holzfiguren denken. Die gedrungene, wehrhaft ausgestattete Figur gestaltete Welzenbach nach Vorlage einer zeitgenössischen Abbildung des Göttinger Privatdozenten Doktor Johann Ernst Arminius von Rauschenplatt. Den eloquenten Revolutionär und Freiheitskämpfer, der 1831 im Zuge der sogenannten „Göttinger Revolution“ das Rathaus stürmte, einen Revolutionsrat bildete und den Magistrat der Stadt Göttingen absetzte, stellt Welzenbach exemplarisch für kritisches Aufbegehren unweit vor die Göttinger Rathaustreppen und nicht auf die Säule.Andreas Welzenbachs Kunst sucht die ironische Brechung. Die doppelte Lesbarkeit des Titels „Göttinger Erhebung“ bekommt ihre adäquate plastische Umsetzung. Zur linken die leere Säule, die je nach Wunsch aus- oder eingefahren wird, um eine beliebige Person über die übrigen zu erheben. Zur rechten eine historische Gestalt, die ihre Stimme erhoben hat, ohne dass sie jemals auf den Sockel gehoben wurde. Dass die Figur Rauschenplatts auf Augenhöhe mit dem Betrachter verbleibt und dieser durch den weit geöffneten Mund des Revolutionärs, zugleich sicher abgeschirmt hinter der wandhaften Rückseite, die Gelegenheit bekommt, eigenen Unmut zu äußern, ist eine feinsinnige Positionierung in der Denkmaldebatte.